RDG

Ich gebe es vorab einfach offen zu, das Rechtsdienstleistungsgesetz war und ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Da sich nun auch die Rechtsdienstleistungen im Umbruch befinden und man allerorts von Legal Tech liest, will ich hier den Aufsatz vom Kollege Dr. Remmertz (BRAK-MITTEILUNGEN 5/2017, S. 219 ff.) zum Anlass nehmen, das Thema kurz zu beleuchten:

  1. Zunächst bleibt festzuhalten, dass die Änderungen rund um den Syndikusanwalt das Thema befeuert haben. Was sind Syndikusanwälte, was dürfen diese tun und wann sind sie „normalen“ Rechtanwälten gleichgestellt? Ich persönlich finde die Unterscheidung mehr als misslich, da man die 2-Klassen Jurisprudenz eher verhärtet als entlastet hat. Als Grundformel kann man sich merken, immer wenn man als Syndikusanwalt gerne gleichgestellt wäre, ist man es nicht und wenn man denkt, dass braucht man nicht, wird es verlangt. Ein gutes Beispiel für das nicht brauchen ist das beA (besondere, elektronische Anwaltspostfach) – wobei man sich schon streiten kann, ob das überhaupt notwendig ist, für Syndikusanwälte aber eine reine Schikane.
  2. Daneben war auch sonst das RDG für mich eigentlich immer eher eine Hilfskrücke, die uns Rechtsanwälten das Leben eigentlich nur schwer macht. Versicherungen, die eigene Leistungen anbieten oder noch lieber auf Kosten von „ums Überlegen“ kämpfenden Wald- und Wiesenanwälten die Gebühren über Rahmenverträge und entsprechende Hotlines nach unten drücken. Natürlich zu Lasten der Qualität der eigenen Kunden. Jetzt mal ehrlich: schnell, billig und gut – wer glaubt denn, dass das so funktioniert. Lieber aber lügen wir gerne unsere Kunden weiter an. Ehrlichkeit und Transparenz will der „Markt“ ja eigentlich auch nicht. Das sieht man bei den Rohrkrepierern der Honorarberatung im Bereich Banking und Versicherungen, aber auch in der Medizin, Steuer, Recht, bei Architekten und dem Notarwesen. Der Kunde möchte einfach nicht wissen, was welche Leistung kostet. Denn würde man alles ehrlich auf Stunden- oder Stückbasis anbieten, würde vielen bewusst werden, was die Leistungen kosten, die ständig und selbstverständlich konsumiert werden.
  3. Aber ich schweife ab. Komme ich zurück zum RDG und Remmertz. In seinem Fazit fasst er eigentlich alles gut zusammen. Die Rechtsprechung hat gute Impulse für die internationale Anwendung des RDG und bei der Definition des Begriffs Rechtsdienstleistung gegeben. Die Abgrenzung zwischen „rein“ schematischer Rechtsanwendung und einer eingehenden rechtlichen Prüfung gefällt mir zwar gut, macht es sich aber für das Thema Legal Tech zu leicht. Der Ruf nach mehr Verbraucherschutz schreckt mich an dieser Stelle auch etwas auf. Ich habe den Eindruck, man nimmt das Thema einfach nicht ernst bzw. will es nicht ernst nehmen. Das bezieht sich jetzt nicht auf den Aufsatz von Remmertz erinnert mich aber an Kodak, Nokia und andere Unternehmen bzw. Industrien, die dachten sie wären nicht ersetzbar. Nein, ich glaube nicht, dass die klassische Rechtsberatung ihr Ende sieht aber ich denke schon, dass sich viele den veränderten Marktbedingungen stellen müssen. Was ist das RDG? Nichts anderes, als der Ruf nach mehr Kundenorientierung und echtem Wettbewerb.

Da sind wir aber noch lange nicht. Wenn wir Rechtsanwälte uns wirklich auf die werthaltige Beratung konzentrieren könnten und zum einen nicht ständig irgendwelchen Formalismen nachhecheln oder zum anderen einfaches schwer darstellen müssen, merkt der Kunde auch, dass er hochqualifizierte Berater beauftragt. Ich begrüße dabei sehr, wenn der ganze administrative, standardabprüfende Teil durch AI erledigt wird. Dann wird auch der Vorteil der Großkanzleien, die einen großen Case standardisiert mit gleicher Qualität abliefern können, nicht mehr so stark spürbar sein. Als Legal Interim Manager und Provider für solche Berater stehe ich ständig im Wettbewerb mit den Advisory-Bereichen der Big4 oder Großkanzleien und es ist nur das Versprechen auf höhere Qualität und ein unsere Branche kennzeichnendes Brand, dass mich bei 50% oder 75% der Gebühren im Vergleich trotzdem unterliegen lässt.

Ein Satz zu meinem aktuellen Lieblingsthema, der EU-Datenschutzgrundverordnung (GDPR) sei mir erlaubt. Es ist nicht eine Beschneidung der Anwaltsprivilegien, wenn Behörden Zugriffsrechte auf personenbezogene Daten von Kanzleien wünschen (bis hin zu vor-Ort-Audits). Es ist der Wunsch nach mehr Transparenz und einem einheitlichen Vorgehen, bei einem Thema, das jahrelang – trotz Anwaltschaft – nicht ernst genommen wurde. Wie viele Kanzleien sind denn zertifiziert, beschäftigen sich mit Datenschutz Ihrer Kunden (ja Kunden, so nenne ich auch Mandanten)? Das RDG wird auch hier auf den Plan gerufen, weil man versucht externe Datenschutzbeauftragte oder Experten in diesem Bereich möglichst aus der Spielwiese Rechtsmarkt herauszuhalten. Aber das wird so nicht funktionieren. Wir müssen uns als Rechtsanwälte mit den Schnittthemen zu IT und Wirtschaft (Datenschutz, Compliance, Contract-Management und Riskmanagement) einfach auseinandersetzen. Und liebe Kollegen, vielleicht sind das ja auch perspektivisch neue Märkte, für andere, die drohen wegzubrechen…

Verwandte Beiträge