ESG: Mehr als nur drei Buchstaben

I. Einführung 

Sogenannte ESG-Kriterien werden für Großanleger immer wichtiger. Das Akronym steht für Environmental, Social and Governance, also Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung. Vielen institutionellen Investoren geht es bei der Geldanlage heute nicht nur um Profit, sondern auch um die Frage, welche sozialen oder ökologischen Folgen ein Investment haben kann. Dies geht auch aus dem Marktbericht 2021 des Forums Nachhaltige Geldanlage (FNG) hervor: Mehr als 335 Milliarden Euro waren Ende 2020 in Deutschland nachhaltig angelegt. Neben der gestiegenen Nachfrage nach nachhaltigen Finanzprodukten ist der ESG-Boom auch auf die im März in Kraft getretene EU-Offenlegungsverordnung zurückzuführen, auf die sich einige Fondsanbieter bereits im letzten Jahr vorbereitet hatten. Kapitalverwaltungsgesellschaften müssen jetzt transparent über Nachhaltigkeitsaspekte ihrer Finanzprodukte informieren und ihre Fonds in eine von drei Schubladen einsortieren: Nicht nachhaltige Produkte fallen unter Artikel 6 der Verordnung. Wenn Fonds ökologische und soziale Aspekte berücksichtigen, erfüllen sie die Kriterien nach Artikel 8, die Finanzbranche spricht in dem Fall von hellgrünen Fonds. Dunkelgrün nach Artikel 9 sind Produkte, die ein konkretes Nachhaltigkeitsziel verfolgen. Zudem hält die EU alle Finanzmarktakteure dazu an, die Risiken, welche die Nachhaltigkeit betreffen, genauso offenzulegen wie relevante Managementansätze und die Wirkung von Entscheidungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren wie den CO2-Ausstoß oder den Wasserverbrauch. 

II. Praktische Relevanz 

  • Die Nachhaltigkeitskriterien leisten für die Integration eines funktionierenden Chance-Risiko-Managements einen großen Beitrag. So sind selbst bilanziell gesunde Unternehmen nicht per se vor Skandalen oder Betrug geschützt, die den Aktienkurs merklich beeinflussen können. Die Berücksichtigung von ESG-Kriterien hilft jedoch dabei, Unternehmen mit zweifelhaften Geschäftspraktiken auszuschließen. Jüngste Studien bekräftigen sogar, dass ein nachhaltiges Vorgehen einen Wettbewerbsvorteil darstellen kann und sich positiv auf den langfristigen Erfolg auswirkt.
  • Im Hinblick auf den deutschen „Gesetzentwurf über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten in Lieferketten“ vom März 2021, bewirkt ESG eine Ausweitung der Compliance-Anforderungen an Unternehmen.   
  • Da insbesondere Finanzinvestoren kein Target mehr kaufen, ohne sich mit dieser Thematik befasst zu haben, ist ESG bei M&A-Transaktionen bereits heute ein Schlüsselfaktor.  

III. Fazit 

ESG (Nachhaltigkeit) wurde lange Zeit als Thema im Dunstkreis der Lippenbekenntnisse angesehen. Befeuert von diversen Entwicklungen in Politik und Gesellschaft, verwandelten regulatorische Anforderungen, Haftungsrisiken und Finanzierungsfragen es binnen kurzer Zeit zu einem prägenden Unternehmensthema. Zudem sind ESG-Themen stets auch Reputationsthemen, die sich direkt im Image niederschlagen.  

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